Kleiner Kirchenführer für die Martinskirche Sindelfingen
Herzlich willkommen!
Wir laden Sie ein, in unserer Kirche auszuruhen und still zu werden.
Hier können Sie ein Gebet sprechen - für sich selbst und für andere Menschen. Die Martinskirche ist in der Regel täglich (außer Montag) von 9 bis 17 Uhr geöffnet.
Schauen Sie sich um und entdecken Sie eine einzigartige romanische Kirche.
Stationen eines Rundganges
Die Kirche:
Romanische dreischiffige Pfeilerbasilika.
Die Kantensäulen enden mit Würfelkapitellen.
Originale Bohlendecke und Dachstuhl von 1130/31.
Die ehemalige Krypta mit darüber liegendem Hochchor von 1100 - an den zwei letzten Pfeilerpaaren ablesbar - wurde 1576 abgebrochen
Zeittafel:
um 700 : Holzkirche mit St. Martin als Namenspatron
um 1050 : Graf Adalbert II. aus Calw gründet ein
Benediktinerkloster, später ein weltliches
Augustiner Chorherrenstift
4. Juli 1083 : Erstes nachgewiesenes Weihedatum
1132/33 : Fertigstellung der Kirche
unter Welf VI. von Spoleto
1477 : Verlegung des Chorherrenstifts nach Tübingen
1535/36 : Reformation und Aufhebung des Klosters
1863 - 68 : Umbau durch C. F. Leins
1973/74 : Rückbau in den heutigen Zustand
Das historische Gebäude:
- Chorraum mit drei Apsiden,Kruzifix aus der Zeit um 1600, Buntfenster in 24 Bildern von 1933 mit Darstellung der Lebens- und Leidensgeschichte Jesu Christi von der Geburt bis zur Auferstehung
- Arkaden mit Durchblick zum ehemals freistehenden Glockenturm (Campanile), der vermutlich erst nach Abschluss des Kirchenbaus errichtet wurde.
- Sakristei mit Kreuzgewölbe von 1270 (nur bei Führungen zu besichtigen), erbaut unter Chorherr Konrad von Wurmlingen
- Christusfigur aus dem 18. Jahrhundert am ehemaligen Kanzelpfeiler
- Sandstein-Relief erinnert an die Stiftsverlegung nach Tübingen 1477 zur Gründung der Universität. Im Gebet vor Christus kniend Erzherzogin Mechthild und ihr Sohn Graf Eberhard im Bart. Mechthilds Wappen mit dem Pfälzer Löwen und den bayrischen Rauten, Eberhards Wappen mit den württembergischen Hirschstangen und den Fischen von Mömpelgard.
- Glockenklöppel, die bei der Turmsanierung 1999 ersetzt wurden.
Das Haus Gottes
In die Martinskirche kommen Menschen schon seit mehr als 900 Jahren mit ihrer Freude und mit ihrem Leid, bitten um Schutz und Hilfe, finden Trost und und Wegweisung für ihr Leben. Seit vielen Generationen suchen sie in diesem Haus die Nähe Gottes und feiern miteinander Gottesdienst.
In der Mitte des Chorraumes steht der Altar mit der aufgeschlagenen Bibel. Sie ist ein Zeichen dafür, dass Gott durch sein Wort in dieser Kirche gegenwärtig ist. Um den Altar versammelt sich die Gemeinde während des Gottesdienstes zum Abendmahl.
Dahinter das Kreuz. Es erinnert uns an den gekreuzigten und auferstandenen Herrn der Kirche: Jesus Christus.
Die Kanzel (Ambo) ist der Ort der Verkündigung der Botschaft Gottes. Das Tuch (Parament) schmückt die Kanzel in den Farben des Kirchenjahres.
Das bronzene Taufbecken ist gestaltet nach einem Wort Jesu aus dem Johannes-Evangelium: "Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben."
Als getaufte Christen sind wir ein Teil der weltweiten Gemeinde Jesu Christi, die Kraft und stärke von ihrem Herrn bezieht, so wie die Weintrauben ihre Kraft aus dem Rebstock bekommen.
An der Decke sehen Sie die Symbole der vier Evangelisten:
Matthäus (Engel), Markus (Löwe), Lukas (Stier), und Johannes (Adler).
Die Orgel steht für Musik in der Kirche. Sie begleitet die Menschen beim Gottesdienst. Musik und Lieder loben Gott und wollen den Menschen Trost und Hilfe geben.
Auch heute noch ist die Martinskirche der lebendige Mittelpunkt unserer Kirchengemeinde und ein kulturelles und spirituelles Zentrum für die Stadt.
Rundgang um die Kirche

- Der ehemals freistehende romanische Turm (Campanile) ist 42 m hoch. Das Dach des Turmes und die Sakristei sind die einzig erhaltenen Bauteile im gotischen Stil. Das Geläut besteht aus 6 Glocken und der kleinen Schul- und Vesperglocke im Seitenturm. Am Turmeingang das Weihedatum 1083.
- Bronzeskulptur der Heiligen Martin mit dem Bettler bei der Mantelteilung.
- Die Ostseite mit den architektonisch eindruckvoll gestalteten drei Apsiden. Als oberer Abschluss der Mittelapsis ein Zahnschnittfries. Die beiden Fenster der ehemaligen Krypta sind noch sichtbar.
- Frühgotischer Anbau mit Sakristei im Obergeschoss, auf der Höhe des ehemaligen Hochchores gelegen.
- Ehemaliger Klosterbereich mit Kreuzgang, Grablege, Fruchtkasten und Klosterbrunnen.
- Ehemalige Klosterbibliothek von 1517 und Propstei von ca. 1420, kirchliches und weltliches Verwaltungszentrum des Klosters. Auf der Südseite der Propstei-Garten mit Taubenhaus.
- Das Westportal mit Löwenkopf und reichen romanischen Beschlägen stammt aus dem 12. Jahrhundert. Wer den Türring berührte, genoss bereits das Asylrecht wie im Innenraum der Kirche.
- An der Mauer zum Propsteigarten ein von den Türbeschlägen inspirierter Schriftzug: "Ich bin die Schale und ihr seid der Kern."
- Das Profil-Relief zeigt den Stiftsbezirk aus der Zeit um 1800.