Das Wahrzeichen der Stadt

Die Geschichte der Martinskirche sowie ihre geistliche und kulturelle Bedeutung sind überaus eng mit der Geschichte der Stadt Sindelfingen verbunden. Das am 4. Juli 1083 geweihte Gotteshaus steht wahrscheinlich auf. den Grundmauern einer frühchristlichen Kirche aus dem 7. Jahrhundert, die bereits den Namen des Kirchenpatrons  St. Martin trug.
Im Jahr 1050 war von Graf Adalbert II. von Calw an dieser Stelle ein Mönchs- und Nonnenkloster des Benediktinerordens gegründet worden, welches er  wenige Jahre später nach Hirsau verlegte. Stattdessen richtete er ein weltliches Chorherrenstift ein, für dessen geistiges Zentrum mit dem Bau der Kirche begonnen wurde. Für mehr als 400 Jahre bestimmte die Martinskirche als Gottesdienstraum für die Chorherren und als Gemeindekirche zugleich das geistige Leben von Sindelfingen.
Dem Stift gehörten ein Propst und jeweils zehn Chorherren und Kapläne an. Es galt als Wiege der Wissenschaft und zählte zu den bedeutendsten Ausbildungsstätten Württembergs.
 
1477 verlegten Erzherzogin Mechthild und ihr Sohn Graf Eberhard im Barte das Chorherrenstift mit seinen Pfründen nach Tübingen. Dies bildete die Basis für die Gründung der dortigen Universität. Der Propst und die Chorherren stellten den ersten Dekan, Kanzler und Dozenten der Universität. Mit dem Rest des Sindelfinger Besitzes gründete Graf Eberhard ein Augustiner-Chorherrenstift mit klosterähnlicher Verfassung, das der Volksmund als Kloster bezeichnete. Mit Einführung der Reformation löste sich das Stift auf. Die Martinskirche wurde nun zur evangelischen Gemeindekirche. Der erste evangelische Pfarrer war Martinus, ein ehemaliger Chorherr (1540). Ihm folgten später mit Matthäus Bengel (1549) und M. Georgius Relpchius (1555-1598) zwei bedeutende Pfarrherren. Alle evangelischen Stadtpfarrer und Ihre Helfer wurden in die Namenstafeln in der Sakristei aufgenommen. Diese wunderschöne Tradition wird auch heutzutage weitergeführt. Seit 1760 sind alle Konfirmandinnen und Konfirmanden in einem Archiv erfasst und geben Zeugnis für die einzigartige Verbundenheit zwischen den SindeIfingern und ihrer Kirche.
 
Generation für Generation fand in der Martinskirche eine geistliche Heimat. Hier war und ist der Ort für Taufen, Konfirmationen, Trauungen, Totengedenken und die Feier der großen kirchlichen Feste Advent, Weihnachten, Ostern, Pfingsten und Erntedank. An jedem Pfingstsonntag treffen sich Sindelfinger aus nah und fern zum Gottesdienstbesuch in der Martinskirche anlässlich der traditionellen Jahrgangsfeiern.
Zu einem der Höhepunkte im Gemeindeleben gehört auch die "Leere Kirche", die seit 1999 in dreijährigem Rhythmus durchgeführt wird. Die beeindruckenden Dimensionen und die imposante Ästhetik des Kirchenschiffes mit seinem Chorraum geben Raum für eine völlig neue Spiritualität. Konzerte und musikalische Veranstaltungen, wie zum Beispiel "Getanzte Psalmen", faszinieren Zuschauer und Zuhörer gleichermaßen. Die akustische Brillanz in der Kirche verleiht jeder Veranstaltung ihren besonderen Reiz.
Mit zwei Erwachsenenchören, einem Orchester, zwei Kinderchören und einem Kinder- und Jugendchor setzt die Martinskirche Zeichen in der Kirchenmusik. Aufführungen, von Matthäus-Passion bis Gospel-Oratorium, finden ihren Nachhall weit über die Grenzen der Region hinaus.
Einen hohen Stellenwert im Stadtkalender für Jung und Alt hat der ökumenische Laternenumzug am Martinstag. Seit 1972 findet der Martinsritt unter großer Beteiligung der Bevölkerung statt. Er beginnt vor der katholischen Dreifaltigkeitskirche und endet vor der Martinskirche mit der Mantelteilung, die zum Symbol christlicher Nächstenliebe wurde.