Ein Juwel der romanischen Baukunst
Die Martinskirche stammt aus der Frühzeit der romanischen Baukunst und zählt zu den ältesten und bedeutendsten religiösen Bauten im Land. Die in der Sindelfinger Stiftschronik überlieferte Weihe am 4. Juli 1083 bezieht sich möglicherweise auf die Legung des Grundsteins oder der Altarfundamente. Die in einem nächsten Bauabschnitt vollendete Krypta wurde um 1100 geweiht. Die Fertigstellung der Kirche erfolgte 1131/32 unter Welf VI. In der typischen Bauform der Romanik als dreischiffige Basilika gebaut, zeigt sich die Martinskirche am eindruckvollsten von der Ostseite her mit den drei Apsiden. Die aufstrebende vertikale Gliederung durch Lisenen mit Halbsäulen, die in Würfelkapitellen enden, lässt das Bauwerk gen Himmel streben. Lichteinflüsse je Tages- und Jahreszeit verstärken die skulpturale Erscheinung und betonen die erhabene Präsenz der Kirche. Erst nach Vollendung des Kirchenbaues wurde der mehr als 42 m hohe viereckige Turm erbaut. Seit jeher akzentuieren die charakteristischen Fensteröffnungen der Glockenstube das Sindelfinger Stadtpanorama. Um 1270 erfolgte der Anbau der gotischen Sakristei mit wunderschönem Kreuzrippengewölbe, die heute den kostbaren Bücherschatz in einem beeindruckenden Barockschrank birgt.
Im Zuge der Reformation erfolgte der Umbau zu einer evangelischen Predigerkirche. Dazu wurden Hochchor und Krypta entfernt und Emporen eingebaut. Der wohl bedeutenste württembergische Kirchenbauarchitekt des 19. ahrhunderts, Christian Friedrich von Leins, führte zwischen 1863 und 1868 'verschiedene Renovierungen der Seitenschiffe, u. a. mit dem Einbau der großen Rundbogenfenster, durch. Mit der Freilegung der Arkaden des Mittelschiffes im Jahr 1933 sowie der Seitenschiffwände und den Abbruch der nach reformatorischen Seitenemporen 1973/74 erhielt die Martinskirche ihr heutiges einzigartiges Raumgefüge. Das Mittelschiff zeigt die typischen Merkmale der romanischen Stilepoche mit beeindruckenden Quadern, Rundbögen, den noch ursprünglichen Obergadenfenstern sowie einem Blendbogenfries, das durch seine sparsame Ornamentik die monumentale Wirkung des Steinbaus optisch noch unterstreicht. Die beeindruckende Höhe und virtuose Ästhetik des Schiffes ziehen den Blick nach oben zur imposanten Bohlendecke mit Dachstuhl aus Tannenholz, die aus dem Jahr 1131/32 stammen. Im Zentrum befindet sich das 1933 von Ernst Fiechter entworfene Gemälde mit symbolischer Darstellung der vier Evangelisten: Matthäus als Engel, Markus als Löwe, Lukas als Stier und Johannes als Adler. Zur alten Ausstattung gehört auch ein Sandsteinrelief mit Erzherzogin Mechthild und ihrem Sohn Graf Eberhard im Barte, die betend vor Christus knien.
Die Erhaltung der Martinskirche mit all ihren Schätzen für die nächsten Generationen ist Verpflichtung und Verantwortung zugleich. Für die baulichen Aufwendungen und substanzerhaltenden Maßnahmen wurden in jüngster Zeit insgesamt 750.000 Euro aufgewendet. Dazu zählten u. a. Schutzverglasungen für die wertvollen Kirchenfenster, die Renovierung der Sakristei, der Chorapsiden sowie des Glockenstuhls und die Außensanierung des Turms.