Martinskirche aus östlicher Richtung

Campanile

Der Turm wurde als Campanile, d.h. nach italienischem Vorbild als freistehender Glockenturm mit flachem Turmhelm in den Jahren nach 1132 errichtet. Der spitze Turmhelm stammt aus gotischer Zeit; die Verbindungsmauern zum Kirchenschiff, die historisierende neoromanische Gestaltung der Klangarkaden im Glockengeschoss und die Turmuhren sind Teile der Umgestaltung der Kirche durch Leins im 19. Jahrhundert. Die Pläne für den Turm gehen nicht auf die Calwer Grafen, denen der Gedanke an einen Glockenturm im italienischen Stil sicher völlig fremd war, sondern auf eine Änderung der Pläne durch die Welfen zurück, denn ursprünglich waren offenbar zwei Westtürme geplant.

Löwenkopf-Schildportal

Das Schildportal mit dem Löwenkopf am Westportal der Kirche stammt aus dem 12. Jahrhundert und gehörte ursprünglich zum einstigen Südportal, das sich etwa zehn Meter westlich vom heutigen Südportal befand. Der Zugang zu diesem Portal führte durch einen Vorbau, der bei den Umbauarbeiten im Jahr 1863 abgerissen wurde. Der Löwenkopf mit dem Ring hat eine doppelte Bedeutung. Zum einen ist er das Symbol für Christus, den biblischen »Löwen von Juda« und verweist damit auf die Kirche als Asylstätte: Wer den Ring ergriff, genoss Kirchenasyl wie im Kircheninneren. Zum anderen ist er das Zeichen für die Gerichtsstätte der weltlichen Gerichtsbarkeit, wobei der Löwenkopf den Landesherren als obersten Gerichtsherren symbolisiert.