Fertigstellung der Martinskirche unter Welf VI

Fertiggestellt wurde die Martinskirche unter Welf VI. aus dem Hochadelsgeschlecht der Welfen.

Die Welfen hatten vielfältige Beziehungen in die Lombardei, und wahrscheinlich wuchs der junge Welf VI., der spätere Herzog von Spoleto, einige Jahre in Oberitalien auf. Das erklärt die von lombardischen Elementen geprägte Gestaltung der Kirche, die auf die letzte, die welfische Bauphase zurückgeht.

So werden im Mittelschiff die Arkaden nicht von Säulen mit Würfelkapitellen, wie man sie in Süddeutschland bei einer romanischen Kirche erwarten würde, sondern von Pfeilern mit quadratischem Grundriss getragen, deren vorgeblendete Bänder fast schwerelos nach oben auslaufen, während die Säulen als Halbsäulen mit Würfelkapitellen an die vier Ränder der Pfeiler gerückt sind und deren tragende Funktion unterstreichen.

Die ebenfalls welfisch geprägte Außenansicht der elegant gestalteten Apsiden steht in reizvollem Gegensatz zur sonst fast schmucklosen Außenfassade der Kirche. Dem Mauerwerk sind auf einem umlaufenden Sockel schmale Lisenen, d.h. flache Vorsprünge vorgeblendet, die nach oben in Bögen ineinander übergehen, und die romanischen Säulen mit den abschließenden Würfelkapitellen, die als Halbsäulen auf die Lisenenen aufgesetzt sind, haben hier keine tragende Funktion mehr, sondern dienen allein der Verzierung.

Das gesamte Kirchenschiff war 1132 fertiggestellt. Aus dieser Zeit stammt auch die noch vollständig erhaltene Bohlendecke des Mittelschiffs.

In den Jahren nach 1132 wurde der Turm (Campanile) errichtet.

Das Schildportal, der heutige Westeingang der Martinskirche, stammt aus dem 12. Jahrhundert.