Umgestaltung der Martinskirche im 19. Jahrhundert

Mitte des 19. Jahrhunderts war die Martinskirche in einem beklagenswerten Zustand wie so viele andere Kirchen.

Der aus Sindelfingen stammende Pfarrer Ottmar F.H.Schönhuth hat in seiner »Chronik der Stadt und des Stifts Sindelfingen« (1864) den Zustand der Martinskirche von 1862 mit vielen Einzelheiten geschildert und die baulichen Veränderungen beschrieben.

Im Einzelnen wurde 1862 – 63 folgendes getan:

  • Die rechteckigen Fenster der Seitenschiffe wurden durch Rundbogenfenster ersetzt, die in der Form den ursprünglichen, romanischen gleichen sollten.

  • Die bis heute erhaltenen originalen Fenster im Obergaden wurden durch die alte Dachneigung der Seitenschiffe wieder freigelegt, die drei äußeren Treppen zu den Emporen wurden abgebrochen, ihre Türen vermauert.

  • Die drei Chorfenster in der Mittelapsis wurden vergrößert und das mittlere Fenster mit einem verklärenden Christusbild im Stil der damaligen Nazarenerkunst ausgestattet. Der Entwurf dazu stammte von Professor Bernhard von Neher, dem berühmten Direktor der Stuttgarter Kunstakademie.

  • Der Südanbau mit der ehemaligen Michaelskapelle wurde völlig abgebrochen, vielleicht macht sich hier historischer Stilpurismus besonders bemerkbar.

  • Die Gerichtstür des Südportals mit ihren alten Beschlägen wurde ins Westportal versetzt. Die Sakristei erhielt ihr Viergiebeldach, das nördliche Seitendach machte man wieder durchlaufend.

  • Der Hauptzugang wurde grundlegend umgestaltet mit einem neuen Südportal in Symmetrie zur Gesamtansicht. Auch im Inneren der Kirche gab es tiefgreifende Veränderungen: So wurden die Choremporen entfernt und in beiden Seitenschiffen schmälere Emporen eingesetzt, die einen stilistisch angemesseneren Abstand zu den Seitenapsiden und den Pfeilern des Mittelschiffs hatten.

  • Die Kanzel wurde dem Chor um einen Pfeiler näher gerückt unter Verwendung der alten Säulchen des abgebrochenen Südanbaus.

  • Schließlich erhielt der gesamte Innenraum einen gelblichen Farbton. Die größeren Flächen der Wände, Pfeiler und Bogen wurden mit mosaikartigen Mustern belebt. Die Ornamentierung steigerte sich in den Chorräumen mit einer stärkeren Färbung und Vergoldung im Altarraum.