Wie gehen wir mit Corona um?

Gedanken von Pfarrer Jens Junginger

Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs hat kein Ereignis die evangelischen Kirchengemeinden in Deutschland umfassender beschäftigt als die gegenwärtige Corona-Pandemie.

Soziale Distanzierung, Quarantäne, Abstandhalten, Isolation – all das machte uns die Erfahrung unserer menschlichen Sozialität bewusster.

Das war (und ist) wahrhaftig eine absolut neue, schwierige und auch recht kritische Erfahrung für uns alle, ob jung oder alt, als Bürgergemeinde und als Christengemeinde.

Wie sind wir als örtliche Kirchengemeinde damit umgegangen?

Die folgenden Aktivitäten haben wir als Kirchengemeinde auf den Weg gebracht:

  •  Aufruf zum Mundschutz nähen - viele Senioren und Mitarbeitende in Pflegheimen konnten damit ausgestattet werden;
  •  Telefon-Kontaktaktion für unsere Gemeindeglieder über 80 Jahre;
  •  Passion- und Osterbrief wurde verfasst, um miteinander in Verbindung zu bleiben;
  •  Audio-/Video-Aufnahmen der Predigten und Ostergottesdienste;
  • Predigten zum selber Lesen in der Kirche ausgelegt;
  • Balkonandachten und Musik vor Seniorenresidenzen und Pflegeheimen;
  • Mutmach-Kärtchen zum Mitnehmen hingen an den Kirchen;
  • in der Burghalde wurde jeden Sonntag der Gottesdienst in die Zimmer übertragen.     
    Wir haben den Eindruck gewonnen, dass diese besondere Art von Gottesdienstfeier von den Bewohnern auch in seelsorgerlicher Hinsicht geschätzt wurde.

Wie sieht die aktuelle Situation aus:

In der Martinskirche und in der Versöhnungskirche haben wir auf Distanz gestuhlt und auch Singen mit Mundschutz ist wieder möglich.

Das neu aufgelegte Sommer-Orgelprogramm kommt gut bei den Menschen an.

Sommerferienprogramm

Das Ferienwaldheim im Eichholzer Täle kann für vier Wochen für insgesamt für knapp 200 Kinder Platz und Raum bieten.

Ein eigenes angepasstes Sommerferienprogramm für Kinder, junge Menschen und Familien wurde neu auf die Beine gestellt. Dafür sind die Gemeindehäuser und Kirchen geöffnet und für Familien mit Kindern bietet die Martinsgemeinde die Angebote „Spurensuche“ und „Lagerfeuer“ an.

Was zeigt uns die Pandemie?

Wir als PfarrerInnen haben sahen uns herausgefordert uns in den Predigten öffentlich mit der Pandemie auseinanderzusetzen. Und so geschah es. Siehe dazu www.ev-kirche-sindelfingen.de/aktuelles/predigten-zum-nachlesen-pdf-format/.

Deutlich macht diese Pandemie, gerade in theologischer Hinsicht: das Gebrochen-sein der menschlichen Existenz, die Unvollkommenheit; unsere Unzulänglichkeit und Begrenztheit gehören zur Schöpfung und zum Menschsein.

 

 

Das Kreuz bringt es auf den Punkt. Die gesamte Bibel ist ein Zeugnis für eine offene und lebendige Auseinandersetzung mit heftigen Krisen. Die Schöpfung Gottes ist elend und brutal, freudig und friedvoll zugleich. Wir Menschen sind (Mit-)Verursacher von Kriegen, Klimakatastrophen oder Pandemien und sehnen uns zugleich nach Frieden, Gesundheit und Gerechtigkeit, also nach der vollen Gegenwart Gottes und seiner Liebe.


Das zeugt "… von einem Gottesbild, das immer noch suggeriert Gott lenke die Welt, indem er alles steuert. Davon muss man sich verabschieden" sagt Ministerpräsident Winfried Kretschmann. Und da hat er einfach recht.


Wir sind und bleiben dem Unverfügbaren unterworfen- zum Teil auch als Mitverursacher - so auch einer Pandemie, Krankheiten, Katastrophen. Daraus ergibt sich für uns als Christen die folgerichtige  Aufgabe in einer unvollkommenen Welt der Praxis Jesu zu folgen, krankes, gebrechliches, altes schwaches Leben, Leid und Leiden zu mindern, Armut zu lindern, Leben zu retten, Gewalt, Ungerechtigkeit und Rassismus zu bekämpfen, dem „Frieden nachzujagen“.

Das Kreuz von Golgatha ist und bleibt für uns als Mitarbeitende der Schöpfung Gottes ein Mahnmal und ein Auftrag zur Nachfolge. ergibt sich für uns als Christen die folgerichtige  Aufgabe in einer unvollkommenen Welt der Praxis Jesu zu folgen, krankes, gebrechliches, altes schwaches Leben, Leid und Leiden zu mindern, Armut zu lindern, Leben zu retten, Gewalt, Ungerechtigkeit und Rassismus zu bekämpfen, dem „Frieden nachzujagen“.

Das Kreuz von Golgatha ist und bleibt für uns als Mitarbeitende der Schöpfung Gottes ein Mahnmal und ein Auftrag zur Nachfolge.

Gedanken von Pfarrer Junginger zum Thema "Freiheit in solidarischer Verantwortung"