Das Martinskantorat in Georgien

Klöster, Wein und Gesang
Konzertreise der Cappella Nuova und des Stifthoforchesters nach Georgien
Ziemlich müde, aber glücklich und voller neuer Eindrücke kehrte die 62-köpfige Gruppe des Martinskantorats Sindelfingen von ihrer einwöchigen Reise aus Georgien zurück. Groß war die Spannung gewesen, was einen wohl in diesem doch eher unbekannten Land im Kaukasus erwarten würde.
Gleich am Morgen nach der Ankunft musizierten die Sängerinnen und Sänger samt Streicherbegleitung im dreisprachigen Sonntagsgottesdienst (georgisch-russisch-deutsch) Werke von Bach, Mendelssohn und Schütz in der evangelisch-lutherischen Versöhnungskirche in Tblissi (Tiflis), an deren Spitze seit 2017 Bischof Markus Schoch steht. Gemeinsam mit dem örtlichen Kirchenchor wurden Teile der georgischen Liturgie gesungen. Gleich anschließend gab es eine Probe für die zwei folgenden Konzerte, gemeinsam mit 11 georgischen Instrumentalisten der Philharmonie Tblissi, welche die 10 mitgereisten Streicher tatkräftig unterstützten. Die musikalische Zusammenarbeit erwies sich in jeder Hinsicht als sehr harmonisch, die Kommunikation war dank lingua franca Englisch problemlos.
Auch der touristische Teil der Reise kam keinesfalls zu kurz. Nach zwei Tagen in der Hauptstadt Tblissi besuchte die Gruppe mit zwei Reisebussen älteren Baujahrs und in Begleitung zweier äußerst netten, kompetenten und stets flexiblen Reiseleiterinnen viele interessante Sehenswürdigkeiten: Wunderschöne Landschaften im Großen Kaukasus, freilaufende Viehherden, und dutzende Klöster und Kirchen, für deren Besichtigung die Damen sich in Tücher und Röcke hüllen mussten. Da das Christentum sich in Georgien bereits im 4. Jahrhundert n. Chr. durchsetzte, gibt es Bauwerke aus vielen Epochen zu sehen, mit unterschiedlichen Ikonen und Fresken in mehr oder weniger gutem Zustand erhalten und anderen baulichen Besonderheiten, wie der zum Teil in Höhlen angelegte Klosterkomplex David Gareja in der bergigen Halbwüste an der Grenze zu Aserbaidschan. Diesen kann man nur zu Fuß erklimmen und man wird dort nicht nur mit teils gut erhaltenen Malereien, sondern auch mit einer fantastischen Aussicht belohnt.
Abends wurden in den Lokalen die Tische reich gedeckt mit den leckeren Spezialitäten der Region. Aubergine mit Walnusspaste gefüllt war ein Favorit bei den Vorspeisen, dazu frisches Gemüse und Fladenbrot, zartes Fleisch und Obst als Dessert, und natürlich durfte auch der georgische Wein dazu nicht fehlen! Auf zwei Weingütern wurde ausführlich erklärt, wie dieser entweder nach der europäischen oder in traditionell georgischer Weise angebaut und produziert wird. Bei letzterer reift der Wein zunächst in riesigen, unterirdischen Amphoren und wird erst später in Fässer oder Tanks umgefüllt. Aus dem Trester wird der beliebte „Chacha“ gebrannt. Weinbau spielt in Georgien schon seit Jahrtausenden eine sehr wichtige Rolle.
Von den kulinarischen nun zu den musikalischen Höhepunkten der Reise. Beim ersten Auftritt der Sindelfinger bei der Caritas wurde einiges improvisiert: Im Saal unter dem Dach herrschte tropische Hitze, dem Pianisten Matthias Hanke stand nur ein kleines Keyboard ohne Pedal zur Verfügung, der Flötensolist hatte kurzfristig abgesagt und das Publikum bestand überwiegend aus Kindern und einigen Mitarbeitern der Caritas Tagesstätte, die nach einem langen, heißen Tag nun auch noch solch ungewohnten Klängen lauschen sollten. Unter den gegebenen Umständen waren sie aber aufmerksame Zuhörer, und am Ende wollten alle mit den Musikern aufs Erinnerungsfoto, und auf jeden Fall einmal den Taktstock berühren, mit dem Dirigent Daniel Tepper die Aufführung geleitet hatte!
Das zweite Konzert am letzten Abend der Reise in der Versöhnungskirche könnte man als krönenden Abschluss bezeichnen. Die Musik von Ola Gjeilo, Peteris Vasks, Mendelssohn und Bach erklang in voller Schönheit und Harmonie. Sowohl die Mitwirkenden als auch das Publikum waren ergriffen und dankbar über solch ein besonders schönes musikalisches Erlebnis, welches auch als Zeichen von Freundschaft, Frieden und Hoffnung empfunden wurde.
Der Himmel weinte am Morgen der Abreise, als ob er den Abschied von Georgien erleichtern wolle. Doch soll natürlich die Verbindung und der Kontakt zu den Menschen dort auch in Zukunft weiter gepflegt werden.
Nicole Müller-Böhm (Cappella Nuova)

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